13 – Shopping für einen guten Zweck

Dienstag, der 27.9.2011
(von Horst-G. Lippold)

beim Sanitär-Möbel-Baumarkt-Händler

An unserem zweiten Tag in Kambodscha stand ein umfangreicher Einkaufsplan für den Aufbau unseres Touristencafe´s auf dem Plan, um unsere Liste vom Vortag abzuarbeiten.

Für die Wasserversorgung benötigen wir noch einen Wassertank nebst Rohrleitungen zu den Verbrauchsstellen und motorgetriebener Pumpe, um überhaupt Wasser in den Tank zu bekommen. Während der Regenzeit müssen wir Wasser aus dem See entnehmen und später in der Trockenzeit aus einem dann noch zu bauenden Brunnen. Dieser Brunnen ist dann der dritte der im vergangenen Februar geplanten Anlagen, der gleichzeitig den mittleren Teil des Dorfes versorgt.

Zur Komplettierung der Toiletten in unserem Cafe´ sollen noch ein Urinal im Herren-WC sowie ein Urinal und ein Handwaschbecken im Außenbereich neben den Toiletten installiert werden.

Wegen des an einigen Stellen grenzwertigen baulichen Zustandes der alten Schule hatten wir am Vortag beschlossen, einige Fußbodenbretter und ihre Unterkonstruktion sowie das marode Vordach auszutauschen. In der Trockenzeit sollten dann noch sicherheitshalber einige wurmstichige Holzpfähle ausgetauscht werden. Ferner muss dringend ein Geländer an der offenen Seeseite angebracht werden. Es wäre doch unschön, wenn unsere Besucher durch den Boden durchbrechen und in den See oder in der Trockenzeit acht Meter in die Tiefe stürzen würden.

Schließlich benötigen wir für das eigentliche Cafe´ unabdingbare Einrichtungsgegenstände wie (ergänzend zu den teilweise noch vorhandenen Schulbänken und –tischen) Stühle und Tische, eine Spültheke, zwei große abschließbare Kühlboxen, einen Kocher für Tee und Kaffee, Gläser etc.

Alles in allem eine umfangreiche Einkaufsliste, die wir heute bei diversen Händlern und Märkten abarbeiten wollten. Da an diesem Tag noch Feiertag in Kambodscha war, mussten wir damit rechnen, dass der eine oder andere Laden geschlossen war. Gemäß dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ sind wir dann auch früh zum ersten Sanitär-Möbel-Baumarkt-Händler in seiner Garage aufgebrochen, um nach viertelstündigem Palaver die Information zu erhalten, dass der Händler wegen des Feiertags nunmehr leider zum Tempel aufbrechen müsse und wir doch bitte in einigen Stunden wiederkommen mögen.

Von soviel Geschäftstüchtigkeit überwältigt sind wir direkt zum nächsten Händler gefahren und haben einen neuen Versuch gestartet. Nach wiederum langem Verhandlungspalaver waren die ersten Einrichtungsgegenstände endlich gekauft und soweit wie möglich in unserem Kleinbus verladen (die sperrigen Teile sollen später angeliefert werden), so dass wir Richtung Preksromot aufbrechen konnten. Nach kurzem Abstecher In die nahegelegene Kreisstadt Domdek zwecks Motorpumpen-Kauf (auch hier: gut Palaver braucht Weile) haben wir endlich Preksromot kurz vor Mittag erreicht, wo wir unsere Einkäufe sicherheitshalber beim Bürgermeister zwischengelagert haben. Wie überall bekommen sonst die Dinge recht schnell Beine.


Der spannendste Teil kam mit dem Holzeinkauf bei einem schwimmenden Händler im überfluteten Nachbarort in Richtung Tonle Sap, den wir per Boot angesteuert haben. Das Holz lagerte dort auf mehrere Kähne verteilt im Freien und war deshalb gut gegen Austrocknung geschützt. Man musste mit den Brettern und Bohlen recht abenteuerlich über Planken und Stege von einem Schiff zum anderen und zu seinem Haus balancieren und höllisch aufpassen, nicht auf diesen regennassen schwankenden Pfaden über Bord zu gehen. Aber das ist hier so üblich und dann geht es eben.





Der langgestreckte Pfahlbau des Holzhändlers mutiert auf dem Weg zur Vorderseite des Hauses vom Holzlager auf der Wasserseite erst zur Küche, dann weiter zum halb überfluteten Büro-Sägewerkstatt-Schlafzimmer (sehr apart) und schließlich zum Lebensmittelhändler bzw. Drugstore an der Straße. Um es mit Heinz Rühmann zu sagen: „hübsch hässlich habt ihr´s hier“.



An der Straßenseite war zu meiner Überraschung tatsächlich Land, weil dieses Haus und einige andere wegen ihrer erhöhten Lage eine Art Insel bildeten, auf der wie auf einer Arche Noah die vielen Menschen, Hunde, Katzen, Hühner etc. einträchtig beisammen saßen oder durcheinander wuselten. Kaufen konnte man dort von Lebensmitteln und Haushaltsartikeln über Kleidung bis zu einer Riesenauswahl gängiger Handy-Modelle quasi alles.


Am Ende ging es mit einem zum Holztransporter umgenutzten Boot zurück nach Preksromot, wo wir unsere Hölzer wiederum sicherheitshalber beim Bürgermeister deponierten.


Preksromot war zwischenzeitlich zunehmend von Menschen überfüllt, weil an diesem Tag traditionell ein großes Dorffest stattfindet, an dem auch viele Menschen aus Nachbargemeinden begeistert teilnehmen. Abgesehen von Essen, Trinken und viel Reisschnaps vergnügen sich die Leute damit, sich von Booten gegenseitig mit leicht platzenden wassergefüllten Plastikbeuteln zu bewerfen. Mit diesem fröhlichen Treiben hatten wir schon beim Holzhändler unseren Spass gehabt.




Auf der Rückfahrt nach Siem Reap sind wir noch in das Nachbardorf Travkhit gefahren und haben mit dem Bürgermeister Soun Leum besprochen, ob hier ernsthafter Bedarf und Interesse an zwei bis drei Brunnen besteht. Der Bau von weiteren Brunnen in einem anderen Dorf gehört wie beschrieben zu unseren Zielsetzungen für unseren jetzigen Kambodschabesuch. Herr Soun Leum hat nach anfänglicher Überraschung sehr erfreut auf unser Angebot reagiert und versprochen, bis morgen mit den Dorfbewohnern sinnvolle Standorte etc. abzustimmen.

Am Ende dieses bemerkenswerten Shopping-Tages ging es wie üblich zum Wassertreten in Siem Reaps Straßen, wo wir uns mit Josh Feitelson und Carolin Dohmen getroffen haben, die unter „Beebop hilft e.V.“ ein Kinderdorf in Nordost-Kambodscha aufgebaut haben und betreiben. Der Abend endete nach leckerem Essen, reichlich isotonischem Gerstensaft und angeregtem Gedankenaustausch sehr spät.


In dem Sinne „anything goes“
Horst-G. Lippold

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