39 – Abholung der Mülltonnen in Preksromot

Sonntag, der 30.9.2012
(von Horst-G. Lippold)

 

 Einlagerung der Mülltonnen aus Preksromot

Nach dem vorläufigen Scheitern der Müllentsorgung in Preksromot hatten wir am Vortag beschlossen, die noch vorhandenen Mülltonnen im Dorf und die Einrichtung des Cafe Colonia mitzunehmen und bis zur weiteren Verwendung an anderer Stelle einzulagern. Also haben wir am Morgen einen LKW gechartert und sind nach Preksromot gefahren.

Begonnen haben wir unsere Sammelaktion im unteren Teil des Dorfes, wo noch ein Großteil der seinerzeit ausgegebenen Mülltonnen vorzufinden war. Da die Tonnen seit Monaten nicht mehr bewegt, wohl aber mit Hausmüll gefüllt waren, mussten wir sie erst leeren, bevor wir sie erst auf unseren Müllkarren und später auf den wartenden LKW verladen konnten. Das war nicht nur geruchsmäßig eine ziemlich grenzwertige Aktion.  Von ca. 150 (nummerierten) Tonnen waren noch 81 (!) vorhanden; der Rest hatte wohl schon über den Weg des Schrotthandels das Budget der jeweiligen Haushalte aufgebessert.

Nicht wenige Bewohner haben ihre Enttäuschung über die Einstellung der Müllabfuhr und die heutige Abholung der Tonnen geäußert. Wir haben immer wieder versucht zu vermitteln, dass die von uns seinerzeit initiierte Müllentsorgung von Anfang an nicht dauerhaft von uns, sondern von den Einwohnern selbst finanziert werden sollte und dass genau das eben nicht funktioniert habe. Unsere heutige Aktion sei nur die logische Konsequenz mit der Intention, unsere Ausrüstung einem anderen Dorf zur Verfügung zu stellen, dessen Bewohner eher bereit seien, sich in dieser Angelegenheit finanziell und persönlich zu engagieren.

Schließlich haben wir auch im Cafe Colonia unsere Kühlboxen etc. eingepackt und verladen und unsere Fahnen eingeholt, um das Gebäude wieder frei zu geben.

Die Abfahrt des voll beladenen LKW war für mich – besonders bei der Erinnerung an den hoffnungsvollen Beginn vor einem Jahr – ein ziemlich trauriger Moment. Auf jeden Fall haben die Einwohner wieder einen Dorftreff zurückerhalten, der sich zudem baulich in gutem Zustand befindet.

Ich bin wegen der enttäuschten Reaktionen vieler Einwohner davon überzeugt, dass auch in Preksromot ein allmähliches Umdenken in puncto Müll begonnen hat und früher oder später die Müllentsorgung wieder beginnt, wenn den Menschen die Sauberkeit des Dorfes wenigstens besagter mtl. 1 USD wert ist.

Am Ende unseres „Arbeitstages“ habe ich mit Herrn Chantol noch die Familie besucht, deren Tochter von Marlene unterstützt wird, die im Frühjahr mit der letzten Gruppe in Kambodscha war. Die fünfköpfige Familie wohnt mittlerweile in einem Haus, das zwar ein Dach, aber außer Plastikfolien keinerlei Wände hat. Da sich hier erstmals die Gelegenheit ergab, baulich zu helfen und die Wohnsituation einer bedürftigen Familie zu verbessern, haben wir zugesagt, am nächsten Tag wieder zu kommen und das Haus mit festen Holzwänden zu versehen. Schließlich sollte auch Stefan Roller – von Beruf Schreiner – endlich zum Zuge kommen und sein mitgebrachtes Werkzeug einsetzen können.

Nach diesem am Ende konstruktiven Ausblick eines eher frustrierenden und destruktiven Tages sind wir wieder zurück nach Siem Reap gefahren und haben den LKW entladen, um anschließend in unser Hotel zu fahren und den Abend mit Amok und Gerstensaft ausklingen zu lassen.

Horst-G. Lippold

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