44 – Der zweite Arbeitstag

Mittwoch, der 27.3.2013
(von Horst-G. Lippold)

 

am ersten Brunnen in Kampong Kleang

Heute sind wir schon um acht Uhr morgens gestartet, um gemeinsam mit Kann und einem Brunnenbauer die Funktionsfähigkeit der im letzten März/April gebauten Brunnen zu überprüfen sowie die geplanten Standorte der im letzten Oktober besprochenen neuen Brunnen in einem anderen Ortsteil von Kampong Kleang zu inspizieren und ggfs. erforderliche Details abzusprechen. Das Problem in Kampong Kleang besteht darin, dass es trotz der Nähe zum riesigen Tonle Sap-See nur wenige Stellen mit ergiebigem Brunnenwasser gibt.

Bei der letzten Reise im Oktober hatten wir mit dem Gemeinderat in Kapong Kleang verabredet, dass die Bewohner für jeden der ca. 200 Haushalte jeweils 1 USD bzw. insgesamt ca. 200 USD als Eigenbeitrag der Gemeinde bereitstellen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die geplanten Brunnen für jeweils 1500 USD kein Geschenk, sondern ein gemeinsames Projekt sind.

Angekommen in Kampong Kleang haben wir uns also mit dem Bürgermeister und einigen Mitgliedern des Gemeinderates getroffen, um alle offenen Fragen zu klären. Der Bürgermeister hat uns sodann zu unserem Erstaunen erklärt, dass nur wenige Haushalte bereit seien, ihren symbolischen Beitrag von 1 USD zu leisten und es daher schwierig sei, die geforderten 200 USD einzusammeln. Außerdem könnten die beiden im letzten Jahr im benachbarten Ortsteil gebauten Brunnen aufgrund ihrer schlechten Wasserqualität nur zum Waschen, aber nicht für die angedachte Trinkwasserversorgung genutzt werden.

 

Wir haben daraufhin erläutert, dass der gewünschte Bau neuer Brunnen für uns nur mit dem verabredeten Eigenbeitrag der Bewohner und primär als Trinkwasserbrunnen zustandekomme, wobei der anwesende Brunnenbauer darauf hinwies, dass die Trinkwasserqualität sowohl bei den bestehenden als auch den neuen Brunnen relativ leicht und preisgünstig für 20 – 30 USD mit Filtern sichergestellt werden kann.

Da der Gemeinderat in unserer recht langatmigen und mühseligen Diskussion zu keinem Zeitpunkt erkennen ließ, ob der geforderte Eigenbeitrag zustandekommt und ob überhaupt ein echtes Interesse an zusätzlichen Brunnen besteht, haben wir das Gespräch schließlich abgebrochen, um eine Denkpause einzulegen und die bestehenden Brunnen zu inspizieren. Nach einem kurzen Fußmarsch in den gegenüberliegenden Ortsteil konnten wir uns davon überzeugen, dass beide Brunnen funktionieren und tatsächlich nur zum Waschen genutzt werden, obwohl Kann uns nach einigen Trinkproben versicherte, dass das Wasser zwar nicht besonders gut schmecke, aber zumindestens trinkbar sei.

am zweiten Brunnen in Kampong Kleang
nochmal am ersten Brunnen: nur zum Waschen!

Nachdem die anwesenden Bewohner uns erklärt haben, dass sie stattdessen Trinkwasser in Flaschen für 0,25 USD je Eineinhalb-Liter-Flasche kaufen, waren wir nach kurzer Rechnung doch etwas irritiert, warum sie nicht stattdessen gemeinsam 20 – 30 USD investieren, um künftig das Trinkwasser zum Nulltarif aus dem Brunnen zu holen. Nach unserer Einschätzung hätte sich diese Investition selbst bei sparsamstem Wasserverbrauch in max. 1 Woche rentiert.

An diesem Punkt haben wir beschlossen, dem Rat von Kann zu folgen und trotz unserer Absprache im letzten Jahr keine weiteren Brunnen mehr in  Kampong Kleang zu bauen und stattdessen neue Standorte weiter im trockenen Norden zu suchen, wo die Armut und Wassernot nach seiner Einschätzung  größer sei und unsere Hilfe auf echte Wertschätzung stoßen würde.

Um keine weitere Zeit zu verschwenden, haben wir verabredet, direkt am nächsten Morgen gemeinsam mit dem Brunnenbauer geeignete Standorte in abgelegenen Dörfern im trockenen Norden zu suchen, um kurzfristig oder im Herbst mehrere Brunnen für Menschen zu bauen, die aufgrund ihrer Wasserknappheit unser Hilfsangebot eher wertschätzen.

Nach dieser insgesamt etwas ernüchternden Episode sind wir zurück gefahren nach Chey Village, um uns gemeinsam mit Kann wieder dem Bau der Gewächshäuser zu widmen. Angekommen ging es nach kurzer Mittagspause in der Gluthitze weiter mit dem Graben der Pfostenlöcher für das zweite Gewächshaus: außen jeweils 16 etwas dünnere Pfosten 20 cm Durchmesser und 50 cm Tiefe und innen jeweils größere Pfosten 40 cm Durchmesser und 1 m Tiefe.

Das gab zunehmend rote Köpfe und nach dem Betonmischen und Einbetonieren der äußeren Pfosten im Dunkeln sind wir schließlich abends um kurz vor acht zurück zum Hotel gefahren, um müde, hungrig und ungeduscht zum Essen zu gehen. Der Abend endete dann auch für alle nach dem Duschen und Wäschewaschen ohne Umwege und die sonst üblichen Kneipenbesuche in der Stadt direkt im Bett.

Na, dann gute Nacht
Horst-G. Lippold

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