45 – Nach holprigen Wegen tolle Brunnenprojekte

Donnerstag, den 28.03.2013
(von Julia Lippold)

holprige Wege

Wie am Mittwoch beschlossen haben wir uns heute in der Frühe auf in Richtung Nordkambodscha gemacht. Um 8.20 Uhr haben wir Kann und den Brunnenbauer, welcher uns auch gestern begleitet hat,  abgeholt und uns auf die etwa zweistündige Fahrt gemacht.

In Varin angekommen haben wir uns zunächst mit dem Bürgermeister und einigen Gemeinde-arbeitern getroffen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Der Bürgermeister erklärte uns, dass er zunächst einen Brunnen in der Nähe des Rathauses plane. Dieser soll zunächst mit einer Handpumpe betrieben werden, im Laufe der Zeit sollen aber noch Tanks und eine Pumpe nebst Generator hinzu kommen. Versorgt werden sollen mit dem Bau dieses Brunnens 3 Dörfer mit insgesamt etwa 5000 Einwohnern.

Also haben wir uns aufgemacht und nach einem kurzen Fußmarsch die Stelle erreicht, die der Bürgermeister vorgesehen hat. Nach weiteren Besprechungen zur konkreten Planung, sowie der finanziellen Regelung und dem möglichen Zeitraum des Baus haben wir dem Projekt zugestimmt.
Uns wurde zugesichert, dass am Freitag mit dem Bau begonnen wird und am Montag in jedem Fall Wasser erreicht ist und der Bau fast abgeschlossen sein wird. Davon wollen wir uns am Montagnachmittag überzeugen.

Zurück an unserem Auto sind wir ein kleines Stück weitergefahren, um dort eine weitere mögliche Stelle für einen Brunnen zu besichtigen. Der Bürgermeister erklärte uns, dass hier ab April ein Markt entstehen soll. Erwartet wird, dass sich im Anschluss an diesen auch weitere Einwohner hier niederlassen werden.

Da dies jedoch am heutigen Tag noch nicht abzusehen ist und wir befürchten, dass durch diverse Umstände der Markt doch an einem anderen Ort errichtet werden könnte, haben wir uns dazu entschlossen, dieses Projekt erst bei der nächsten Reise im September/Oktober durchzuführen.

Anschließend haben wir unsere Fahrt ohne den Bürgermeister fortgesetzt. Kann wollte ein weiteres, noch ärmeres Dorf mit uns besichtigen. Die Bewohner dieses Dorfes müssen, um an Wasser zu gelangen,  3km laufen (!).

Um dieses Dorf erreichen zu können, mussten wir unser Gefährt wechseln. Wir sind auf einen Anhänger umgestiegen, der von einer Art Minitraktor gezogen wurde. Warum wir das getan haben, wurde sehr bald deutlich; die folgenden 30 Minuten sollten wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Nach dieser abenteuerlichen und dennoch amüsanten Fahrt die durch eine sehr fröhliche Frau begleitet wurde, kamen wir schließlich an dem Ort an, für den Kann einen weiteren Brunnen vorgeschlagen hat.

Bei der Besprechung, wie ein Bau ablaufen könnte, wurde klar, dass dieser Bau etwas aufwendiger ist. Der Boden besteht an dieser Stelle nicht ausschließlich aus Sand sondern zusätzlich aus Gestein. Des weiteren muss an dieser Stelle tiefer als sonst meistens üblich gebohrt werden. Der Brunnenbauer, der uns begleitet hat, ist hierzu jedoch nicht in der Lage. Also müsste eine andere Firma (?) beauftragt werden.  Bevor wir eine Entscheidung treffen wollten, baten wir darum, uns zunächst einen Eindruck vom Dorf machen zu dürfen.

Beim Besichtigen kamen wir dabei unter anderem an der Schule des Dorfes vorbei. Diese wird von 48 Schülern des Dorfes besucht und besteht lediglich aus einem herunter gekommenen Holzbau, was uns sehr deutlich gemacht hat, dass dieses Dorf wirklich sehr arm ist und Hilfe benötigt. Auch haben wir dort  die Besprechungen für den eventuellen Bau des Brunnens fortgesetzt.  Dabei wurde erörtert, ob es möglich wäre, am folgenden Tag mit dem Bau zu beginnen und wie die Finanzierung gewährleistet werden soll.

Von Seiten des Dorfes wurde  die Bereitschaft gegeben, sich finanziell am Bau zu beteiligen. Es wurde abgemacht, dass ,wenn möglich, der Bau am Freitag beginnen soll und wir am Montag auch den Fortschritt des Baus dieses Brunnens besichtigen.  Unter der Prämisse, dass das Wasser bis dahin erreicht ist, sollen am Montag 1500 USD von unserer Seite bezahlt werden sowie 500 USD gemeinschaftlich vom Dorf. Von dieser Bereitschaft waren wir zutiefst beeindruckt, besonders nach den Erkenntnissen, die wir am gestrigen Tag machen mussten.

Also haben wir uns auf den holprigen Weg zurück gemacht und es herrschte eine fröhliche Stimmung auf allen Seiten, was die Fahrt noch amüsanter machte.

Wieder umgestiegen in unser Auto haben wir uns auch direkt anschließend auf den Weg zurück nach Chey Village gemacht, um die nur noch wenig verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang für den Bau der Gewächshäuser zu nutzen. Zu unserer Freude wurde auch tagsüber bereits weiter gearbeitet. Löcher zu buddeln gab es natürlich trotzdem nach wie vor. Und obwohl die Temperatur fast angenehm kühl war, flossen erneut viele Tropfen Schweiß.

Die Pfosten der Außenseiten stehen nun alle in ihren Löchern und wurden heute bis auf wenige verbleibende einbetoniertiert. Zusätzlich wurde der erste der längeren Mittelpfosten mit viel Kraftaufwand und vielen helfenden Händen in das entsprechende Loch gehievt und ebenfalls einbetoniert. Natürlich waren auch wieder viele Kinder mit dabei und haben begeistert neues Wasser vom Brunnen geholt und sich einen Spaß daraus gemacht, wer es schafft, am meisten Wasser von der eigenen Flasche auf die Zementmischung zu schütten. Da muss man schon manchmal eingreifen, damit nicht die Baustelle geflutet wird.

Nach Einbruch der Dunkelheit haben wir uns von Kann, seiner Frau und den Kindern verabschiedet und sind zurück zum Hotel gefahren. Dabei konnten wir uns natürlich wieder nicht entgehen lassen, eingestaubt und verdreckt den anderen Besuchern des Hotels zu begegnen. Die Erklärung, dass wir einen neuen Tempel gefunden haben, wurde nur mit Irritation angenommen.

Und nachdem gestern der Abend so früh im Hotel endete und wir dem entsprechend ausgeschlafen waren, war die Motivation heute groß, noch in die Stadt zu ziehen. Manchen Traditionen möchte man ja treu bleiben, und so gibt es wohl im Laufe des Abends wieder 50 Cent-beer with free popcorn.

Also dann, mit Freude auf den morgigen Tag,

Julia Lippold

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