46 – Und täglich grüßt das Murmeltier

Freitag, den 29.03.2013
(von Jessica Mohr)

Der Wecker klingelt um 06:30 Uhr. Es ist Freitag. Karfreitag. Und täglich grüßt das Murmeltier! Denn es ist der vierte Tag, an dem wir an Kann’s „Green House Project“ arbeiten. Diesmal geht es gleich morgens früh schon los auf die Baustelle. Uns steht also der lange heiße Tag zum Arbeiten zur Verfügung.

Die Kinder erwarten uns schon und jedes Einzelne begrüßt uns mit zum Gruß zusammengefalteten Händen und einem freundlichen „hello“. Wir machen uns gleich an die Arbeit, denn wir wollen Ergebnisse sehen und unser Bauprojekt am Wochenende abschließen. Es werden wieder Löcher gebuddelt, Holzpfähle bearbeitet, Beton gemischt… Derweil werden die Kinder schick gemacht und verabschieden sich eins nach dem anderen in die Schule.

Wir hatten früh am Morgen eine etwas angenehmere Arbeitstemperatur erwartet, doch die Sonne lässt uns schon bei den ersten Handgriffen schwitzen. So dauert es nicht lange, bis wir alle mit hochrotem Kopf regelmäßig zu unseren warmen Wasserflaschen greifen. „Du musst den Schmerz umarmen!“ wird hier schnell zu unserem Motto.

Am Mittag ruft Kann uns zu Tisch. Seine Frau hat uns etwas zu essen zubereitet. Wir legen eine ausgedehnte Mittagspause ein und freuen uns umso mehr als wir feststellen, dass man extra für uns eines der Hühner geschlachtet hat. Auch die selbst gezüchteten Pilze finden sich im Mittagessen wieder. Und als wäre das noch nicht genug, bekommt Julia, die Vegetarierin unter uns, eine Extra-Portion mit verschiedenstem Gemüse aufgetischt. Dazu für alle ein großer Kessel mit dampfendem Reis. Mahlzeit!

Anschließend ein kurzes Nickerchen im Schatten und wir fühlen uns gestärkt für den Nachmittag: Löcher buddeln, Holzpfähle bearbeiten, Beton mischen… Es sollen die ersten Pfähle des Tages gesetzt werden und wir müssen feststellen, dass die von Kann angezeichneten Stellen für die Löcher nicht wirklich genau in einer Reihe liegen. Und auch, dass nicht alle Abstände stimmen. Dabei hatte er das doch extra gemessen. Nachdem wir alle noch fehlenden Löcher 1m tief ausgegraben haben, spannt Kann nun eine Schnur. Und siehe da, zwei Löcher sind nicht dort, wo sie eigentlich hin sollen. Wer hat denn auch behauptet, dass deutsch-kambodschanische Zusammenarbeit mit all den Kommunikationsschwierigkeiten und Mentalitätsunterschieden bei einem solchen Projekt reibungslos läuft? Niemand. Also: Weiterbuddeln! Du musst den Schmerz umarmen…


Am Spätnachmittag kommen die Kinder heimgeradelt, legen ihre Schulsachen beiseite und tummeln sich auf der Baustelle. Schnell nehmen die Größten uns die Schaufel aus der Hand und wollen sich selbst im Betonmischen versuchen. Die Kleinsten sammeln unsere leeren Wasserflaschen und holen Wasser am Brunnen. So wird die letzte Reihe Pfähle zügig gesetzt und alle arbeiten Hand in Hand – auch ohne Worte – bis es schließlich wieder dunkel ist.

 

Jessica Mohr

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