20 – Die erste Müllabfuhr in Preksromot

Dienstag, der 4.10.2011
(von Horst-G. Lippold)

die Preksromoter Müllabfuhr

Etwas ernüchtert von den Erlebnissen am Vortag sind wir am Dienstagmorgen wie üblich früh aufgebrochen. Da Alex Springer schon nach Bangkok fahren wollte, waren wir für die restlichen Tage zu zweit.

Noch an der Ausfallstraße in Richtung Pnom Penh haben wir zuerst Herrn Pho Phallkunn, der die Niederlassung von Gaea in Siem Reap leitet, besucht. Gaea betreibt unter dem Namen Centri in den größeren Städten Kambodschas die Müllabfuhr und die zugehörigen Müllkippen. Herr Phallkunn hat uns erklärt, dass es mangels staatlicher Unterstützung keine Verpflichtung der Haushalte gibt, den Hausmüll geregelt zu entsorgen und deshalb nur ca. 8% der Haushalte vorwiegend im Stadtzentrum und in den besseren Vierteln von Siem Reap für eine Gebühr von monatlich 1,50 USD an die Müllabfuhr angeschlossen sind. Alle anderen Bewohner verklappen den Müll weiterhin direkt neben den Häusern. Wirtschaftlich tragfähig sei das System letztlich nur dank der Quersubventionierung durch die vielen angeschlossenen Hotels.

Wir haben intensiv die Frage diskutiert, ob bzw. wie und zu welchen Kosten der nicht recycelbare Restmüll aus Preksromot auf die Mülldeponie von Siem Reap gebracht werden kann. Herr Phallkunn, der auf Auslandsreisen Müllentsorgungssysteme in diversen Ländern kennengelernt hat, wird ein entsprechendes Angebot erstellen und deutete zwei Optionen an:

a) wir liefern den Hausmüll für ca. 3 USD pro cbm zur Deponie oder
b) Centrie stellt geeignete Container vor Ort zur Verfügung und holt diese zu noch unbekannten Kosten regelmäßig ab.

Die erste Variante erschien uns eher für die Anfangsphase geeignet und die zweite Variante – falls zu vertretbaren Kosten machbar – eher als Dauerlösung sinnvoll, weil der Restmüll dann direkt in den Container sortiert werden kann. Kritisch sind in jedem Falle die nicht unerheblichen Kosten der Entsorgung bzw. deren laufende Finanzierung.

Nach diesem hochinteressanten Gespräch sind wir zu einem Händler für Gebrauchtmotorräder weitergefahren und haben endlich das Moped gekauft, das wir zum Ziehen des Müllanhängers benötigen. Nach einem ausgiebigen Service-Check ist Herr Chantol dann auch direkt in Richtung Preksromot losgebraust.

In Dom Dek haben wir noch den fertig umgebauten Müllanhänger abgeholt und weiter ging es nach Preksromot.

In Preksromot angekommen haben wir uns aufgeteilt und Röttger Maier hat sich sofort der Fertigstellung der Rohrleitungen gewidmet.

Herr Chantol, der am Samstag vorgestellte Müllmann und ich haben dagegen die erste Müllabfuhr im Dorf gestartet. Wir sind dabei das Dorf komplett durchgegangen und haben sämtliche der schon im Februar und am vergangenen Samstag aufgestellten Mülltonnen inspiziert bzw. geleert.

In deutsch-kambodschanischer Co-Produktion haben der Müllmann und ich nach und nach sämtliche halbvollen oder gar vollen Tonnen in unseren Müllkarren geleert. Herr Chantol ist entweder gefahren oder hat diejenigen Einwohner, deren Mülltonnen noch leer waren, aufgefordert, mitzumachen und bitte ihren Müll künftig in die Tonne und nicht mehr hinter die Häuser zu werfen.

Zu unserer Überraschung betraf das allerdings nur wenige Häuser und wir haben uns trotz der anstrengenden Arbeit in der Mittagshitze über die gute Resonanz auf unser Projekt und das große Interesse der Bewohner gefreut. Nach und nach haben wir insgesamt vier Mal den Müllanhänger gefüllt und zum Müllplatz gefahren.

Bei der ersten Leerung des Anhängers auf unserem Müllplatz kam allerdings direkt die Polizei und hat uns erklärt, dass der mit dem Bürgermeister festgelegte Platz gegenüber einer Anlegestelle liege, von der aus in der Regenzeit bis Dezember Touristen-Boote ablegen in Richtung Tonle Sap. Da die Touristen sich durch unseren Müll und die Geruchsbelästigung belästigt fühlen würden, sei dies an dieser Stelle leider verboten.

Merke: die Einnahmen aus dem Tourismus genießen höchste Priorität und deshalb müssen die ästhetischen Bedürfnisse und die empfindlichen Nasen der Touristen geschützt werden und die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung sind nachrangig.

Da half auch kein Argumentieren und nach Rücksprache mit dem Bürgermeister wurden wir wieder auf den ursprünglichen Platz vom Februar verwiesen, der allerdings schneller an der Seite abfällt und derzeit halb unter Wasser steht. Das bedeutet, dass dieser Platz sofort stellenweise zur Begradigung des Kompostplatzes mit Erde aufgefüllt werden muss. Sobald das Wasser in zwei bis drei Wochen genügend gefallen ist, kann auch der Rest des Platzes mit Erde von tiefergelegenen Stellen aufgefüllt und begradigt werden. Bis dahin müssen der Sortierplatz und der Müllsammelplatz eben auf reduzierter Fläche funktionieren.

Das Ende dieses ersten Arbeitstages der Müllabfuhr haben wir direkt im Cafe´ Colonia mit einem kühlen Bier begossen und beschlossen, dass ich dem Müllmann am nächsten Morgen die Müllsortierung zeigen sollte.

Voller Zuversicht für unser Projekt und mit dem Kopf voller Zukunftspläne sind wir zurückgefahren nach Siem Reap und haben uns nach kurzer Dusche in´s Nachtleben gestürzt.

In dem Sinne ein Hoch auf die erste Dorf-Müllabfuhr
Horst-G. Lippold

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