31 – Überblick verschaffen

Völlig überwältigt von den Eindrücken aus E-Mails, sehr ausführlichen und informativen Feedbacks unserer Voluntäre und dem Vortreffen am Montag vor der Abreise mit Patrick, der gerade aus Kambodscha zurückgekehrt war, wollten wir uns am ersten Tag erstmal einen persönlichen Eindruck von allen laufenden Projekten verschaffen.

Herr Chantol stand nicht nur wie vereinbart um 8:00 Uhr vor unserem Hotel, er war sogar eine halbe Stunde früher da, um mit uns zu frühstücken. Einen Van für die ganze Woche samt Fahrer hatte er auch schon organisiert. Dieser sollte um 8:00 Uhr vorm Hotel stehen – kam aber aufgrund einer Autopanne nicht. Kurzerhand orderte Herr Chantol 2 Tuk Tuk´s und ließ sich auch von unseren erschrockenen Gesichtern nicht umstimmen. Die 50km weite Fahrt bis Preksromot würde mit dem Tuk Tuk mindestens 2 Stunden dauern. Macht nichts – einsteigen! Nach ca. 5km Fahrt bekam Herr Chantol den erlösenden Anruf: Der Taxifahrer sei nun bereit, das Auto sei heute morgen nicht angesprungen, fährt aber nun wieder. Wir konnten umsteigen. Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass das nicht anspringende Auto nicht nur eine schlechte Ausrede für das Zuspätkommen war, denn wir mussten den Wagen mehrmals anschieben! Wir entschlossen uns, die Projektorte in der Reihenfolge abzufahren, wie sie durchgeführt wurden, derzeit durchgeführt werden und geplant sind:Erste Station: Schule in Preksromot Dort wurde vor ca. 1 Jahr der erste Brunnen gebohrt. Uns wunderte, dass die Kinder nicht zur Schule gingen. Herr Chantol erinnerte uns kopfschüttelnd daran, dass heute Sonntag ist – aber abgesehen davon sind zurzeit Schulferien. Der Brunnen ist nur 30m tief und wird mit Handpumpe betrieben.

Das Wasser hat eine weniger gute Qualität und riecht nicht besonders frisch. Aber Herr Chantol versichert uns, dass der Brunnen häufig genutzt würde. Wir machten natürlich ein paar Hiebe an der Handpumpe, was besonders bei den Kindern des Dorfes aufsehen erregte und wir umringt wurden von neugierigen Gesichtern. Aber auf geht´s, weiter zum nächsten Brunnen, es gibt heute noch viel zu sehen. Zweite Station: Brunnen am Cafe ColoniaDas ca. 2km weiter liegende Cafe Colonia erstrahlt in neuem Glanz!

Das neue Hinweisschild unserer Voluntäre ist vor der Brücke angebracht: sehr gute Arbeit, liebe Voranreisende! Doch die Informationen aus den E-Mails und Blogs bestätigten sich leider: Die Leitungen waren verstopft, das Haus einsturzgefährdet und die Bretter im Außenbereich auf der Terrasse so morsch, dass sie gebrochen waren. Zudem lief der Cafebetrieb nicht.Erster Eindruck: es gibt viel zu tun.
Dritte Station: Dorf- bzw. Straßenmitte Preksromot

Eine ältere Frau, die direkt daneben wohnt, guckte uns interessiert zu, als wir den Brunnen betätigten. Mmh, erste Zweifel kamen auf, ob sie diesen überhaupt benutzen?Herr Chantol konnte diese Zweifel jedoch ausräumen.Vierte Station: Bauerndorf TravkhitUm zum vierten Brunnen zu gelangen, stiegen wir wieder in den Van. Der Fahrer brachte uns ins ca. 5km entfernte Bauerndorf Travkhit. Dort wird gerade der Brunnen gebaut, den die Fa. Henkel gespendet hat. Wir haben den Eindruck, die Leute dort freuen sich noch mehr auf das frische Wasser. – obwohl es ihnen insgesamt besser zu gehen scheint als den Menschen in Preksromot. Es wird gepumpt und geplanscht… in ca. einer Woche wird das Wasser auch zum Trinken geeignet sein. Der Brunnen muss zunächst gespült werden.

Fünfte Station: Bauerndorf Svay Chey

Ein ähnliches Dorf wie das Vorherige. Wir besuchen den Brunnen, der am

fertig gestellt wurde.

Herr Chantol erzählt uns, dass wir uns mit dem Bürgermeister treffen sollen. Dieser möchte noch mehr Brunnen für sein Dorf. Nach einem Fußmarsch durch den Ort fällt uns jedoch auf, dass es dort bereits viele Brunnen gibt. Zudem ist der Bürgermeister nicht da und wir entschließen uns, dass wir uns auf die ärmeren Menschen konzentrieren wollen.Nun stellt sich die Frage, wo wir die verbleibenden geplanten zwei Tiefbrunnen platzieren wollen.Sechste Station: Nächster Brunnen im Invalidendorf?Herr Chantol ist bereits über seine Reiseleitertätigkeit bekannt als „Köln hilft Kambodscha-Helfer“ und wurde kurzerhand angesprochen, ob er nicht in einem Invalidendorf, was zur Zeit neu entsteht, ein oder zwei Brunnen installieren könnte. Das müssen wir uns natürlich zuerst anschauen. Dort angekommen sehen wir auf einem riesigen flachen freien Gelände ca. 10 gleiche Neubauten, von denen wir einen ansteuern. Wir lassen uns von einem Bewohner das System erklären. Es handelt sich um Kriegsinvaliden, die vom Staat dort diese Häuser gestellt bekommen. Es sind weitere Häuser auf dem Gelände in Planung. Nur das Wasser müssen sie sich von weither holen. Wir sind neugierig und laufen um das Haus herum und stellen folgendes fest: Alles sehr kurios: Fließend Wasser aus frisch verlegten Leitungen?!?! Die Entscheidung wurde uns damit abgenommen!Nächster Brunnen Preksromot am Dorfende?Nächster Brunnen in Kompong Luong?Voller Eindrücke fahren wir zurück. Beim gemeinsamen Abendessen planen wir die nächsten Tage. Welche Besorgungen müssen wir heute noch machen? Herr Chantol wurde mit Fragen gelöchert:Wie viel kosten neue Wasserrohre? Wie viel kostet ein eigenes Aggregat? Kann man eigentlich auch Werkzeug leihen? Gibt es eine Motorsäge? Sollten wir die morschen 5m langen Stelzendes Hauses wirklich austauschen? Können wir das? Wie machen das die Dorfbewohner? Wo bekommen wir Holz her? Wir brauchen Schilder für die Brunnen! Sein Handy lief heiß! Als wir ihm dann auch noch erzählten, dass wir mit Thomas´ mitgebrachtem, gusseisernen, Waffeleisen für Holzbefeuerung für das Dorf backen wollten und die Zutaten dafür noch besorgen wollten, schüttelte er nur noch mit dem Kopf: Die Deutschen müssen verrückt sein!

 

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